Da hatte AOL über 20 Millionen anonymisierte Suchanfragen seiner Kunden im Netz veröffentlicht und sich nichts Böses bei gedacht. Sie sollten zu wissenschaftlichen und statistischen Zwecken dienen, um herauszufinden welche Seiten besucht wurden, wenn man nach bestimmten Begriffen sucht. Schließlich wählt man oft nicht immer das erstbeste Ergebnis.
Zwar waren die Namen der Kunden anonymisiert, das heißt eigentlich nicht zurückverfolgbar, jedoch kann man alle Suchanfragen eines Kunden zusammenfassen und so einiges herausfinden. Wenn also jemand nach seinem eigenen Namen im Web sucht oder schauen will wie gut seine Homepage steht, ist es ganz leicht alle anderen Suchanfragen einer Person zuzuordnen.
AOL entschuldigt sich zwar dafür und hat die Daten wieder aus dem Netz genommen, wird aber von Datenschützern bereits angeklagt und muss wahrscheinlich einige Millionen an Geldstrafe zahlen.
Denn aus diesen Informationen, die über drei Monate gesammelt wurden, lassen sich sehr wohl private und privateste Informationen zu spezifischen Personen herausholen. Zum einen über Leute, die schlicht ihren eigenen Namen, ihre Sozialversicherungsnummer oder ihre Website in die Suchmaschine eingeben. Über ihre eindeutige Identifikationsnummer kann man dann anzeigen, was sie sonst gesucht haben - zum Beispiel nach Informationen, wie man seine Frau umbringt, Drogen bestellt, fragwürdige Pornoangebote oder Bilder von geköpften Menschen finden kann.
Aber auch traurige Geschichten treten zutage, von Menschen, die zum Beispiel verzweifelt versuchen, den Liebsten zurückzugewinnen - und mit einem schweren Los konfrontiert sind. Eine jener Suchen beginnt mit: "wie man sexy mit seinem mann reden kann". Einen Tag später: "krebs mann liebe kompatibilität" und sechs Tage später "ex-affären kontrollieren" und "männer, die emotional missbraucht wurden" und "porn.com". Neun Tage später suchte jemand mehrmals nach "borderline persönlichkeitsstörung", einige Tage später einige Male nach "männer, die von ihren ehefrauen missbraucht werden." Monate später suchte jemand vom gleichen Account nach "ohio strafanstalt strkyer ohio" und dann nach Flugtickets und dann "ihn zurückgewinnen". Die Suchlogs sind voller solcher Geschichten, wie Wired.com berichtet - und sie gehen niemanden etwas an.
Ich würde nicht wollen, dass andere Erfahren, nach welchen Dingen ich im Internet so recherchiere und sich dann so eine Geschichte zusammenbasteln.
Auch wenn es lustig sein kann, geht niemanden etwas an ob man erst nach einer Fahrschule sucht, dann nach Fahrschultestbögen, dann nach einem Auto und später nach Tuningteilen und letztenendes noch nach einer Arbeit für Behinderte im Rollstuhl.